Ein aufmerksamer Blick auf die Welt - das ist Fotografieren für mich. Seit dem Beginn meines Ruhestands begleitet mich eine Kamera, die mir meine Ehefrau schenkte. Was als Ausgleich begann, entwickelte sich schnell zu einer intensiven Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Zeit und Veränderung. Autodidaktisch und durch den Austausch in Fotokursen habe ich mir meinen eigenen Zugang zur Fotografie erarbeitet.
Mich interessieren vor allem urbane Räume – Orte im Wandel, geprägt von Bewegung, Struktur und menschlicher Präsenz. In ihnen verdichten sich Geschichten des Alltags, oft unscheinbar, manchmal flüchtig. Meine Bilder suchen nicht das Offensichtliche, sondern das Dazwischen: Momente, die leicht übersehen werden und gerade darin ihre Bedeutung entfalten.
Ein zentrales Kapitel meiner Arbeit ist die Serie „Die Kölner Ringe“. Über mehrere Jahre hinweg habe ich gemeinsam mit anderen Fotografierenden die Ringstraßen Kölns erkundet und dokumentiert. Dabei ging es weniger um repräsentative Ansichten als um Stimmungen, Übergänge und Brüche. Verkehr, Perspektivwechsel und Details wurden zu Trägern eines visuellen Gedächtnisses – als leises Zeugnis eines sich ständig wandelnden urbanen Gefüges.
Auch in der Porträtfotografie suche ich die Nähe zum Wesentlichen. Im Rahmen der Ausstellung „Femmes 669“ in Wesseling entstanden Begegnungen mit Frauen unterschiedlicher Lebensrealitäten. Die Kamera wurde dabei zum Medium des Dialogs – mit dem Ziel, nicht nur Erscheinung, sondern Haltung, Stärke und Individualität sichtbar zu machen.
Im Projekt „Die fotografische Darstellung des Grundgesetzes“ in Köln setzte ich mich fotografisch mit gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen auseinander. Die Arbeit war geprägt von Reflexion und Diskussion mit den anderen Teilnehmern – ein Versuch, abstrakte Werte in visuelle Formen zu übersetzen. Ein sehr spannendes und zeitnahes Thema.
Meine Kinder sagen scherzhaft, mit dem Geschenk der Kamera habe meine Ehefrau die Büchse der Pandora geöffnet. Tatsächlich ist die Fotografie für mich längst mehr als ein Hobby: Sie ist ein Raum für Neugier, Konzentration und Ausdruck.
Neben der digitalen Fotografie arbeite ich neuerdings auch analog, insbesondere in Schwarz-Weiß. In meiner eigenen Dunkelkammer entwickle ich Filme und fertige Abzüge selbst an. Dieser entschleunigte Prozess schärft meinen Blick und vertieft meine Beziehung zum Bild.
Meine Arbeiten bewegen sich zwischen dokumentarischer Klarheit und freier Gestaltung. Licht, Struktur und Komposition sind dabei fast ebenso entscheidend wie der richtige Moment. Fotografie bedeutet für mich, meine Ideen und Sichtweisen durch das Objektiv Anderen mitzuteilen, Zusammenhänge sichtbar zu machen und Bilder entstehen zu lassen, die nachwirken – leise, ehrlich und offen für Interpretation.